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Von Rittern und Feen

Es war einmal vor langer Zeit...

So beginnen die meisten unserer alten Märchen. Märchen erzählen Geschichten. Geschichten über wundersame Begebenheiten und zauberhafte Begegnungen. So wie jene, von der wir Euch heute erzählen wollen:

Es war einmal vor langer Zeit in einem fernen, wunderschönen Land: Berge und Seen, Wälder, Felder und das Meer. Das Land hatte alles, was man braucht, um dort zufrieden leben zu können. Und doch waren die Menschen dort unglücklich, denn viele Jahre davor hatte ein großes Unglück dazu geführt, dass sich Nebel über das Land gelegt hatte, undurchdringlich und grau. Man konnte den Menschen neben sich nicht richtig erkennen, nicht trauen ....

 

In diesem Reich lebte auch ein König mit seiner Frau und seinen Kindern, den Prinzen und der Prinzessin. Die Kinder lebten, wie es nur Kinder können, den Nebel ignorierend, glücklich und zufrieden, mit offenem Herzen auf jeden zugehend, den sie als freundlich erkannten. Sie spielten mit ihren Vettern, Basen und Freunden, erkundeten das Land, stromerten im Wald herum und waren so glücklich, wie man es als Kind, das umringt von Familie und Freunden leben darf, nur sein kann.

 

Einer der Prinzen, Thore, hatte einen großen Traum: Er wollte gerne Ritter werden. Seine Spielkameraden zogen ihn ständig damit auf: "Du kannst kein Ritter werden, du wirst mal König!!!" "Du kannst dich ja dann König Ritter nennen, anstatt König Thore" - aber Thore störte das nicht. Tief in seinem Inneren wusste er, dass sein Traum irgendwann wahr werden würde. Er ahnte zu dieser Zeit allerdings noch nicht, welchen Preis er dafür würde zahlen müssen.

So kamen und gingen die Jahre, alle hatten sich mehr recht als schlecht in der Nebelsuppe eingerichtet, bis das Grau eines Tages noch dichter erschien als an anderen Tagen. Thore war gerade im Wald unterwegs, als es um ihn herum richtig dunkel wurde. Er erschrak fürchterlich, als plötzlich die Hexe Hroki vor ihm stand. Mit düsterem Blick betrachtete sie ihn. Als Thore seine Furcht in den Griff bekommen hatte, richtete er sich auf, streckte den Rücken durch und stellte sich heraufordernd vor sie hin:

"Was  ..." er musste sich räuspern, damit seine Stimme nicht zittrig klang, Ritterstimmen klangen schließlich niemals zittrig, sondern immer mutig und fest.

"Was wünschst du, Frau?" brachte er hervor.

Sie kicherte amüsiert "So so, der kleine Prinz Thore spielt sich schon als König auf ..."

Wütend blitzte er sie an.

"Oh nein, er will ja kein König werden..." sie kicherte erneut ".... Ritter sein, das ist's, was sein Herz begehrt". Beschämt senkte er den Blick - woher wusste die Alte das? Es war sein innerstes Geheimnis und er hatte es doch nur seinen Freunden erzählt? Er hatte wohl schon davon gehört, dass es Menschen gab, die Geheimnisse weitergaben, davor hatten ihn seine Eltern stets gewarnt - Anvertrautes und Geheimes zu bewahren, war eines der ersten und wichtigsten Dinge, die er gelernt hatte. Eigentlich war er davon ausgegangen, dass dies auch die Menschen in seinem Umfeld wussten... naja, der ein oder andere vielleicht nicht, ......aber doch nicht seine Freunde ..... für sie hätte er die Hand ins Feuer gelegt.

 

Als hätte sie seine Gedanken erraten, sagte die Hexe: "Ich weiß alles! Alles, wovor du dich fürchtest und was du dir wünschst ....Du möchtest Ritter werden, nicht wahr?"

Mit einem Schlag waren all sein Mut und seine Forschheit verschwunden. Er konnte nur noch müde nicken.

"Soso.... und, was würdest du denn dafür tun? .... Oder sagen wir mal so, was würdest du mir dafür geben?"

"Ich besitze nichts, was ich dir geben könnte" resigniert blickte er zu Boden

"Oh doch, mein Lieber - du hast etwas sehr Kostbares, etwas, was ich nie erlangen werde. Wenn du es mir gibst, werde ich dafür sorgen, dass du eines Tages Ritter wirst"

Fragend blickte Thore die Hexe an.

"Was sollte ich besitzen, das so eine einflussreiche Hexe wie du, sich nicht einfach herbeizaubern könnte"

Mit irrem Blick stierte sie ihn an: "Freunde! Du hast Freunde"

"Pah, die kannst du haben, was will ich mit denen, bei der erstbesten Gelegenheit haben sie mich verraten" über die Maßen zornig brachen die Worte aus ihm hervor.

Hroki lächelte listig, dachte ein Weilchen nach und sprach dann: "Gut - wir machen ein Geschäft: Du gibst mir deine Gabe Freunde zu gewinnen und ich mache dich zu einem der besten Ritter ..."

Ohne zu zögern rief Thore "Einverstanden" - so einfach sollte sein Traum wahr werden, er konnte sein Glück kaum fassen!

Kaum hatte er das Wort ausgesprochen, war die Hexe verschwunden.

...

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